German poem
Napoleon 3
by Friederike Kempner (1828–1904)
Fremdling, kommst um mich zu höhnen? – Nein! – ich weih' Dir ein'ge Tränen, Deiner Größe, schwer verkannt, Schwer verkannt im eig'nen Land!
Hattest Rußlands Macht gebrochen, – Hattest Frieden Dir versprochen, – Nicht mehr Ruhm, befleckt mit Blut, Trachtetest nach höhrem Gut. –
Napoleonische Ideen Sollten endlich jetzt geschehen 1 , Schafftest Raum und Luft und Licht – Aber Frankreich dankte nicht. –
Bautest für die Arbeit Säle Und – daß ich es hier erzähle, Würdigtest mit hellem Blick Unsrer Sitten Mißgeschick: –
Anerkanntest die Gefahren Allerschrecklichsten, furchtbaren, Grausam Los, das jedem droht – Jenen, ach, lebend'gen Tod! –
Frankreich glücklich, wollte träumen Von des Rheines Blütenbäumen, Wollte Kampf und Krieg – nicht Ruh' Und das Opfer, das warst Du! –
Napoleonische Ideen Werden aber doch gestehen, Und den Dank, der Dir geziemt, Ganz die Weltgeschichte rühmt. –