Versos German Friedrich de la Motte Fouqué Sängerlohn

German poem

Sängerlohn

by (1777–1843)

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Der Schäfer hütet seine Heerde Durch frühen Thau, durch Mittagsglut, Und weiß von keinerlei Beschwerde, Denn auf was Höh’res steht sein Muth.

Dort ob den alten Schlosseshalden Zeigt sich ein Rasengrab und Stein; Da grub die Urzeit einen Skalden, Den besten aller Meister, ein.

Und gerne will der Hirt beginnen Ein Lied zu dessen Preis und Ruhm, Schon oft saß er im tiefen Sinnen Auf jenes Grabes Heiligthum.

Doch was er denken mag und ringen, Es bleibt ihm bei der bloßen Lust; Viel Vögel hört er ringsum singen, Kein Lied erwacht aus seiner Brust.

Er geht zu Feld, er geht zu Walde, Kehrt sinnend wiederum nach Haus; Oft fängt er an: hier liegt ein Skalde, Und damit ist sein Singen aus. Hier liegt ein Skalde! schwirrt am Abend Auch einst er ob der Sängergruft. Er sann und sann – da wiegt’ ihn labend In linden Schlaf die Frühlingsluft.

Da kam’s ihm vor im ernsten Traume, Als thu’ sich auf das Grabesthor, Und wall’ in Spätroths goldnem Saume Der alte Sänger mild hervor.

Der sang ein Lied in seine Saiten; Hier liegt ein Skalde! fieng sich’s an, Doch brach es sich im hellen Streiten Ganz herrlich fort und fort die Bahn.

Der Meister war mit Singen fertig, Und sprach: „mein Schäfer, bist mir lieb. Die Treue sey des Lohns gewärtig, Wie seiner Blüth’ ein Maientrieb.

Kannst du, erwacht, dieß Lied behalten, Wie ich vollendend dir es sang, So wirst fortan als Meister schalten Mit herzerfreuendem Gesang.“

Und auf der alten Schlosseshalde Wacht der entzückte Schäfer auf, Beginnt halb scheu: hier liegt ein Skalde! Und fürder strömt sein Liedeslauf. Er singt, je besser stets, je länger, Aus Lied muß Lied ihm neu erstehn, Und höhern und gepriesnern Sänger Hat nie das Norderland gesehn.

de la Motte Fouqué.