German poem
Ankunft der Verwundeten in München
by Friedrich Emil Rittershaus (1834–1897)
So feiern sie das Siegesfest, Die jäh gefällt von Schuß und Hieb, Und glücklich, wem nur noch ein Rest, Ein kleiner, von dem Leben blieb! Die Wunde in dem heil’gen Krieg, Wohl ist’s der Adelsbriefe bester, Ein Freudebringer ist der Sieg, Doch ach, das Siechthum seine Schwester!
Sie kommt mit bleichem Angesicht Ihm nachgehinkt und bringt die Qual! – Die Zeit gebot’s! Wir klagen nicht, Doch Ehre jedem Wundenmal! Den Kranz für sie, die in dem Streit Dem Feind die Brust entgegenstellten, Die sich für uns dem Tod geweiht, Und unsre Liebe soll’s vergelten!
Sie standen kühn im Pulverdampf, Sie trotzten männlich stolz dem Tod! Wohlan, nun kämpfen wir den Kampf Für Jene mit des Lebens Noth! Nun sorgen wir, daß nimmer kann Zu ihnen Gram und Sorge schleichen! Es soll dem kranken, wunden Mann Die Lieb’ den Labebecher reichen!
So lindern wir das herbe Weh’, Das über sie die Zeit verhing! – Schmach, wenn ein Invalide je In Deutschland mit der Orgel ging’! Die Schaar, die fechtend niedersank, Die Opfer von den Schlachtentagen, Die soll das Vaterland zum Dank Zeitlebens auf den Händen tragen! – –