German poem
Aufruf zur Errichtung eines Denkmals auf Helgoland für Hoffmann von Fallersleben
by Friedrich Emil Rittershaus (1834–1897)
Es sprach des Deutschen Kaisers Mund: „Der letzte Fleck von deutschem Grund, Nun zählt er zu dem deutschen Land!“ – Er sprach’s am Helgolander Strand. Da stieg auf Fels und Haus und Boot Das Banner, schwarz und weiß und roth, Da donnerten Kanonen rings – Und durch die deutschen Gaue ging’s: Nun ist zum Reiche heimgebracht Des deutschen Landes Nordlandswacht!
Wo man in deutschen Lauten spricht, Durch jedes Herz tönt ein Gedicht, Das Deutschland über alles preist – Nicht immer klang’s im gleichen Geist! Es stieg wie leises Fleh’n zu Gott, Als Deutschlands Zwietracht aller Spott, Und jauchzend sang’s des Volkes Schar,
Als Deutschland über alles war! – Wo aber wuchs der Sang empor? War’s an des Rheines Rebenflor? War’s, wo die Donau südwärts zieht? Erklang am Main „der Deutschen Lied“? Vom Meer umbraust, vom Sturm umweht, Das rechte Wort fand der Poet! Vom Felseneiland Helgoland Ein Dichter hat’s hinausgesandt, Das Lied von deutscher Herrlichkeit, Das Trost uns war in trüber Zeit, Und heut’ in sich gesammelt hält Das Fühlen einer deutschen Welt! – Das Lied von deutschen Lippen fliegt, Wo sich die Palmenkrone wiegt; Wo über’m Eis das Nordlicht flammt, Singt’s, wer von deutschem Blut entstammt. Wir singen’s, wenn beim frohen Fest
Man brüderlich die Hand sich preßt, Da steigt der Sang in hellem Chor Gewaltig aus der Brust empor – Eins sind wir all’ in Herz und Geist! – Und, wenn’s im Feld zu sterben heißt, Wo’s um die höchsten Güter geht, Wird’s deutschen Kriegers Schlußgebet! –
Wo er es sang, was wir gefühlt, Hoch auf dem Fels vom Meer umspült, Da rag’ das erzgegoss’ne Haupt Des Dichters, der da fest geglaubt An unsres Reiches Auferstehn Und große Zeit vorausgesehn! Deß’ Wort begeisternd uns erklang Im deutschen Nationalgesang, Der jenes Lied uns hat erdacht, Sein Bildniß zier’ die Nordlandswacht! Emil Rittershaus.