Versos German Friedrich Emil Rittershaus Ein Herbstmorgen am Rhein

German poem

Ein Herbstmorgen am Rhein

by (1834–1897)

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Am Tag, getaucht in Gold und Blau, Wie schön in grünen Lauben! Frühnebel sank als Morgentau Hernieder auf die Trauben.

Dem leisen Sang der Vöglein lausch’ Ich halb in Traum versunken – Die haben einen Sonnenrausch Sich heute angetrunken!

Ein Traum vom duft’gen Maientag Lockt sie zu Girr’n und pfeifen – Und Weh’n aus Maienstunden mag Auch meine Brust ergreifen! – –

Da zieht ein Schiff. Ich kenn’s genau, Und muß der Zeit gedenken, Wo von dem Bord mich, holde Frau, Gegrüßt dein Tücherschwenken.

Und als uns gab ein gut’ Geschick Am Abend in den Weiden Ein Heim bei Nachtigallmusik – Wie selig war’s uns beiden!

Zwar sorgsam sprach dein alter Ohm – Wir flüsterten verstohlen! – Am Abend könn’ man leicht am Strom Sich die Erkältung holen!

Wir aber hatten drum nicht Not Und setzten fort die Sitzung – Ach Gott, wenn etwas uns gedroht, So war es die Erhitzung!

Von unsrer Liebe Ewigkeit Ein Flüstern unter Thränen! – Ein Tag war uns genug der Zeit Für solches süßes Wähnen! –

Nach Norden du, nach Westen ich, Weit über Strom und Hügel – Und selten die Erinnrung strich Vorbei auf flinkem Flügel.

Jetzt aber, wie den Dampfer hier Ich setz’ die Flut durchrauschen, Wird mir zu Mut, als müßten wir Noch einmal Grüße tauschen! –

Umsonst, umsonst! Kein Tüchlein winkt, Von schöner Hand geschwungen. Der süße Maientraum versinkt, Versinkt – verweht, verklungen!