Versos German Friedrich Emil Rittershaus Falkenburg

German poem

Falkenburg

by (1834–1897)

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Von der mächt’gen, stolzen Veste, Einst zu Schutz und Trutz erbaut, Alte, morsche Mauerreste Jetzt nur noch der Wandrer schaut. Wo in grimmer, wilder Fehde Dröhnend Speer und Schild geklirrt, Bau’n die Vögel ihre Nester Und sein Liedlein singt der Hirt. –

Lass’ uns bei dem Farrnbusch träumen! – Traumgott, leih’ des Schleiers Flor! – Sieh, aus den verfallnen Räumen Tritt ein Zauberweib hervor. Phantasie, die allgewalt’ge, Baut aus moos’gem Trümmerhauf, Was der Zeit zum Raub gefallen, In der alten Schönheit auf.

Schlachtgesänge tönen brausend Aufwärts zu der Burg vom Feld; Wurfgeschosse schwirren sausend Nieder auf der Feinde Zelt. Wie des Kriegsvollks eh’rne Woge Auch an Wall und Mauern fliegt, Falkenburg, die stolze Veste, Keiner hat sie je besiegt!

Mürrisch dreht der Feind den Rücken, Zitternd vor der Falkenklau’! – – Schaue, an des Burghofs Brücken Steht nun eine hohe Frau. Eines Ritters Roß bei’m Zügel Faßt sie, und den Ritter dann Fleht die Fürstin an um Gnade Für den kriegsgefangnen Mann.

Braunschweigs Herzogin, die gute, Spricht die Sage alter Zeit, War’s, die nun und nimmer ruhte, Bis den Gatten sie befreit. Sturm und Wetter brach die Mauern Und der Rost zerfraß das Erz, Doch das Lied der Gattentreue Lebt noch in des Volkes Herz! – –

Um das Haidkraut summt die Biene, In der Luft der Falke schreit. – In das Grab sinkt die Ruine, In das Grab die alte Zeit, Doch Romantik legt die Kränze Sinnend auf’s Versunkne hin, Und dem Dichter macht’s lebendig Phantasie, die Königin.

Emil Rittershaus.