German poem
Im Kampf des Lenzes
by Friedrich Emil Rittershaus (1834–1897)
Nun weht der Wind aus Westen So weich und wundermild, Und an der Bäume Aesten Die braune Knospe schwillt, Und in den kahlen Zweigen, Da flüstert’s heimlich sacht: Aus winterlichem Schweigen Ist jetzt der Wald erwacht.
O horch, mit hellen Klängen Ein Ruf zum Wasserspiel! Den Winter zu verdrängen, Macht nun der Lenz mobil. Fanfaren hat geblasen Der Lenztrompeter Fink; Da schwingt sich auf vom Rasen Die muntre Lerche flink.
Sie jauchzt – und durch die Lande Klingt’s wonneweckend hin –: „O, komm, im Goldgewande, Du Sonnenkönigin!“ Der Fink mit frohem Muthe, Er mahnet: „Dran und drauf!“ Da steckt die Haselruthe Den rothen Helmbusch auf.
Es fliegt aus blauen Räumen Der Strahlen Lichtgeschoß. Des Stromes Wogen schäumen, Die lang’ das Eis umschloß. Da springt von Hügelkronen In’s Thal hinab der Quell; Da nahen die Schwadronen Der Wandervögel schnell.
Da macht mit grünen Lanzen Die junge Saat sich Raum; Aus finstren Felsenschanzen Wagt sich der Winter kaum. Vergeblich all sein Ringen! Es zieht im Sonnenschein Auf weißen Wolkenschwingen Der stolze Sieger ein.
Mit Primeln und Ranunkeln Begrüß’ ihn, Wies’ und Feld! In Schönheit sollst du funkeln, Du neuverjüngte Welt – Und Sorgen, die dich pressen, Und alles, alles Leid Sollst du, o Herz, vergessen In Frühlingsseligkeit. –