Versos German Friedrich Emil Rittershaus Im Ulmen-Laubgang

German poem

Im Ulmen-Laubgang

by (1834–1897)

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Niemals hab’ den Ulmen-Laubgang Ich so schön geseh’n wie heute, Wo die zarten grünen Blüten Auf den Weg der Nachtwind streute.

Auf den breiten Wipfelkronen Flimmerte die Morgensonne, Und der Waldpastor, die Amsel, Predigte von Frühlingswonne.

Und da war es mir, ich sähe Heut’ den Mai den Einzug halten – Und ich sah vor mir im Geiste Wandeln süße Huldgestalten.

Aus den schmucken Blumenkörbchen Streuten zarter Kinder Hände Leise auf des Lenzes Pfade Reiche grüne Blätterspende.

Kranzgeschmückt die Einen waren, Andre weiße Schleier trugen, Aus den seidnen goldnen Löcklein Sah ich Rosenknospen lugen.

Frohsinn kam, umtanzt, umgaukelt Von den bunten Schmetterlingen; Hoffnung hatte sich geliehen Von der Lerche Lied und Schwingen.

Vor der Tulpen Flammenbechern Klang der Chorgesang der Bienen; Maikraut um die Stirn gewunden, War der Rebengott erschienen.

An dem Goldstern der Narzisse Funkelten die Taujuwele – Und die Liebe sang das Credo Aus der Nachtigallenkehle! –

Alles, alles durft’ im Geiste Heut’ ich wonnetrunken schauen, Als ich ging durch die Alleen Bei dem ersten Morgengrauen –

Duftend um die Stirne wehte Frischer Hauch aus Blatt und Blüten – Und ich fühlte: aus dem Herzen Schwand das dumpfe Winterbrüten.

Meine Pulse fühlt’ ich schlagen Jugendfrisch in hellen Sprüngen – Und ich glaubte an den Frühling, An des Lenzes Weltverjüngen! Emil Rittershaus.