German poem
Lopshorn
by Friedrich Emil Rittershaus (1834–1897)
Lied des Jägers.
Um Deine Stirne fliegt die Locke, Das Auge blitzt, die Wange flammt, Und huld’gend wirft die Blüthenflocke Der Baum auf Deines Kleides Sammt. Willst Du nicht bei den Blumen weilen? Lockt Dich kein Platz auf duft’ger Au’? Warum dies athemlose Eilen? – – Ich weiß es wohl, du schöne Frau!
Wir sind zu drei’n. Du und Dein Gatte Und ich, Dein treuer Jägersmann. Als er noch nie gesehn Dich hatte, Ich weiß wohl, wer Dein Herz gewann! Wir standen noch in Kinderschuhen – Es war ein Tag wie heut’ im Mai – Willst Du nicht eine Weile ruhen Am Tannenbaum? – Vorbei, vorbei!
Die Tanne hat die grünen Loden Bis nieder auf den Grund gesenkt Und baut vom Stamm bis auf den Boden Ein Zelt, von würz’gem Duft getränkt. Da hat ein Pärchen einst gesessen, Das hat geträumt gar süßen Traum Und hat die ganze Welt vergessen! – – Noch immer grünt der Tannenbaum! –
Du gingst; ich bin im Schloß geblieben Und lange, lange warst Du fern! Vergangen ist das alte Lieben! Gesunken ist der Jugend Stern! Längst hab’ ich in den Wind geblasen Auf meinem Jägerhorn mein Leid! – Warum willst Du vorüberrasen So schnell an Zeugen alter Zeit? –
Der alte Herr an Deiner Seiten Prüft sorgsam rechts und links die Bahn, Er liebt’s nicht so geschwind zu reiten! – Zieh’ Deines Senners Zügel an! Mit kaltem Blut den Kindertagen In das erloschne Auge schau’ Und lern’ ertragen und entsagen! – Gott schütze Dich, du schöne Frau!
Emil Rittershaus.