German poem
Der erste Schritt
by Friedrich Hofmann (1813–1888)
Das muß ich preisen überaus, Daß noch zu jeder Frist Das größte Glück im kleinen Haus Auf Erden möglich ist.
Und nichts kommt diesem Wunder gleich: Von aller Schätze Pracht Wirst du im Herzen nicht so reich, Als wie ein Kind dich macht.
Ein kleines Kind mit Lächelmund Mit Aeuglein hell und klar, Mit Aermchen und mit Beinchen rund, Am Häuptchen Seidenhaar.
Die Lust, wenn’s froh sich dehnt und reckt! Und wenn’s zum ersten Lauf Die Händchen Dir entgegenstreckt, Wie geht das Herz Dir auf!
Der Vater kommt! Wie mit dem Kind Sie ihm entgegen tanzt! Grüß Gott, Papa! Nun zeig’ geschwind, Lieb Herzchen, was du kannst!
Der Vater spricht: Herzkindchen mein, So komm’ doch her zu mir! Der schöne Apfel! Der ist dein! Ei komm’ und hol’ ihn dir!
Die Mutter sinnt: O gingen heut Doch alle Engel mit! Du meines Lebens Stolz und Freud’, Es ist dein erster Schritt!
Ein Schrittchen nur – von Arm zu Arm! Das Wagniß war nicht groß: Vom Mutterherzen liebewarm Zum treuen Vaterschooß
Und doch welch’ Glück! Der Jubel klingt Empor aus voller Brust, Und hell durch Thür und Fenster dringt In’s Freie ihre Lust
Ja, preisen muß ich’s überaus, Daß noch zu jeder Frist Das größte Glück im kleinsten Haus Auf Erden möglich ist!