German poem
„Die Armuth im zerriss’nen Kleide“
by Friedrich Hofmann (1813–1888)
Ins Kirchlein sind sie eingezogen, Die Glocke schweigt, die Orgel tönt, Und wer geweint beim Ehrenbogen, Wird hier mit seinem Schmerz versöhnt. Allein nur bleibt mit ihrem Leide Die Armuth im zerriss’nen Kleide.
Sie schleicht, von Allen ungesehen, Zur Kirchthür leise hin und lauscht, Wie drin des Glaubens Geisterwehen Mit mächt’gen Schwingen hallt und rauscht. Derweilen weint in bittrem Leide Die Armuth im zerriss’nen Kleide.
Bist Du von je so arm gewesen? Nein! Glücklich machte Dich Dein Sohn; Dir war im Antlitz froh zu lesen Der Mutterliebe schönster Lohn. Er fiel! Verlassen steht im Leide Die Armuth im zerriss’nen Kleide.
Du trägst die Fetzen ohne Schande! O, unbarmherzig ist der Krieg! Die Ehre prangt im Vaterlande – Doch wie viel Noth bezahlt den Sieg! Vor wie viel Kirchen weint im Leide Die Armuth im zerriss’nen Kleide!
Ihr preist den Sieg, Ihr preist den Frieden – Gefeiert ist der Krieg genug; – Jetzt sorgt, daß Balsam sei beschieden Für all die Wunden, die er schlug! Und Schmach sei’s, wo noch weint im Leide Die Armuth im zerriss’nen Kleide!