Versos German Friedrich Hofmann Zum Tage der Kaiserproclamation

German poem

Zum Tage der Kaiserproclamation

by (1813–1888)

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In Nanzig war ich, der Stadt der Pracht – Von Geschützen erdröhnend, auf eherner Bahn, Wie rollte, gleich grollenden Schatten der Nacht, Im Sturme Wagen um Wagen heran! Noch trotzte Paris, und im Süd und Nord Auflohten im Volke die Flammen des Kriegs. Da trugen die Wagen an klirrendem Bord Die jungen Kämpfer zum Banner des Siegs. Doch wohin sie fuhren, horcht, auf! dorther Erschallte die stolze, beglückende Mär.

Aufsprangen wir Alle in Hof und Saal, Die Krieger und Waller von jeglicher Art, Wie Deutschland von Küste, Berg und Thal Im Feindesland sie zusammengeschaart – Von der Alpenhöh’ und vom Bernsteinstrand, Von der Donau und Elbe, vom Neckar und Main, Sie Alle, die sich aus so vielerlei Land Zusammengefunden als „Wacht am Rhein“, Sie Alle lauschten der jubelnden Mär: Sie kam von Versailles, von König und Heer.

Und wie durch die Reihen die Kunde erschallt Von dem theuern, dem wiedergewonnenen Reich, Da werden auf einmal mit Wonnegewalt Die Augen naß und die Herzen weich. „Die kaiserlose, die schreckliche Zeit“, Im Grolle getragen so manches Jahr, Von der uns nicht Wunden noch Thränen befreit, Nun liegt sie auf schmählicher Todtenbahr, Und daneben in goldener Wiege lacht Das neue Reich in Siegespracht.

Versunken war der Vergangenheit Bild, Das „Kaiser und Reich“ uns in’s Herz gemalt, Wo in Heldenarmen Deutschlands Schild Und der deutsche Name in Ehren gestrahlt. Da kam der rettende Krieg – er trat Der Zwietracht Hyder den Kopf entzwei – Auf dem Kampfplatz steht ein Volk der That; Mit dem Siege zieh’n Macht und Ruhm herbei, Und wieder vor allen Landen verklärt Steht Deutschlands Thron und das deutsche Schwert.

Ich eilte hinaus in den Sternenschein, Von Begeisterungswonne die Brust geschwellt; Ich mußt’ in die festliche Nacht hinein Die Kunde zujauchzen der staunenden Welt. Dort trugen die Wagen das junge Heer Gen Paris – und der dienende Blitz trug dort Nach Deutschland die völkerdurchzuckende Mär Von dem neuen Reich und dem Kaiserwort; Und ich hob zum Himmel Herz und Hand: Gott segne dich, herrliches Vaterland!