Versos German Friedrich Nietzsche Zwischen Raubvögeln

German poem

Zwischen Raubvögeln

by (1844–1900)

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Wer hier hinabwill, wie schnell schluckt den die Tiefe! — Aber du, Zarathustra, liebst den Abgrund noch, thust der .1 es gleich? —

Die schlägt Wurzeln, wo der Fels selbst schaudernd zur Tiefe blickt —, die zögert an Abgründen, wo Alles rings hinunter will: zwischen der Ungeduld wilden Gerölls, stürzenden Bachs geduldig duldend, hart, schweigsam, einsam…

.1! Wer wagte es auch, hier Gast zu sein, .1 Gast zu sein?…

Ein Raubvogel vielleicht: der hängt sich wohl dem standhaften Dulder schadenfroh in’s Haar, mit irrem Gelächter, einem Raubvogel-Gelächter…

.1 so standhaft? — höhnt er grausam: man muss Flügel haben, wenn man den Abgrund liebt… man muss nicht hängen bleiben, wie du, Gehängter! —

Oh Zarathustra, grausamster Nimrod! Jüngst Jäger noch Gottes, das Fangnetz aller Tugend, der Pfeil des Bösen! Jetzt — von dir selber erjagt, deine eigene Beute, in dich selber eingebohrt…

Jetzt — einsam mit dir, zwiesam im eignen Wissen, zwischen hundert Spiegeln vor dir selber falsch, zwischen hundert Erinnerungen ungewiss, an jeder Wunde müd, an jedem Froste kalt, in eignen Stricken gewürgt, .1! .1! Was bandest du dich mit dem Strick deiner Weisheit? Was locktest du dich in’s Paradies der alten Schlange? Was schlichst du dich ein in .1 — in .1?…

Ein Kranker nun, der an Schlangengift krank ist; ein Gefangner nun, der das härteste Loos zog: im eignen Schachte gebückt arbeitend, in dich selber eingehöhlt, dich selber angrabend, unbehülflich, steif, ein Leichnam —, von hundert Lasten überthürmt, von dir überlastet, ein .1! ein .1! der .1 Zarathustra!…

Du suchtest die schwerste Last: da fandest du .1 —, du wirfst dich nicht ab von dir…

Lauernd, kauernd, Einer, der schon nicht mehr aufrecht steht! Du verwächst mir noch mit deinem Grabe, .1 Geist! Und jüngst noch so stolz, auf allen Stelzen deines Stolzes! Jüngst noch der Einsiedler ohne Gott, der Zweisiedler mit dem Teufel, der scharlachne Prinz jedes Übermuths!…

Jetzt — zwischen zwei Nichtse eingekrümmt, ein Fragezeichen, ein müdes Räthsel — ein Räthsel für .1…

— sie werden dich schon „lösen“, sie hungern schon nach deiner „Lösung“, sie flattern schon um dich, ihr Räthsel, um dich, Gehenkter!… Oh Zarathustra!… .1!… .1!…