German poem
Dank an die Glückwünschenden zum 16. Mai 1863
by Friedrich Rückert (1788–1866)
So viel Flocken der Mai duftigen Blüthenschnees Mit verschwendrischer Hand jetzt dem Gefilde streut, So viel regneten Wünsche Meinem Feste von fern und nah.
So viel Blumen im Thau schmeichelnde Morgenluft Weckt und küssend in Schlaf wieget der Abendwind, So viel Freuden zu pflücken, Meine Wünschenden, wünsch’ ich Euch.
Auch des blühendsten Mai’s blühendste Blüthe welkt, Und eh’ sie sich besinnt, sieht sich die Jugend alt; Doch nie welket und altert Mir im Herzen das Dankgefühl.
Dank, daß mir zum Gesang öffnet’ ein Gott den Mund, Dank, daß meinem Gesang dankend ein Hörerkreis Auch antwortet, und Dank, daß Ich ihm heute noch danken kann.