German poem
Ein Denkmal für Friedrich Rückert
by Friedrich Rückert (1788–1866)
Von allen Ehren mir am meisten werth Ist die, womit die Vaterstadt mich ehrt.
Wir schlingen uns′re Händ′ in einen Knoten; Zum Himmel heben wir die Blick’ und schwören; Ihr alle, die ihr lebet, sollt es hören, Und wenn ihr wollt, so hört auch ihr′s, ihr Todten!
Wir schwören: Stehn zu wollen den Geboten Des Lands, deß Mark wir tragen in den Röhren, Und diese Schwerter, die wir hier empören, Nicht eh′r zu senken, als vom Feind zerschroten.
Wir schwören, daß kein Vater nach dem Sohne Soll fragen, und nach seinem Weib kein Gatte, Kein Krieger fragen soll nach seinem Lohne,
Noch heimgehn, eh′ der Krieg, der nimmer satte, Ihn selbst entläßt mit einer blut′gen Krone, Daß man ihn heile oder ihn bestatte.
1. Liebste! Wer vom Anfang ist Vertrauter Unsers Bunds gewesen? Gott allein. Und als ew′ger Bundeszeuge schaut er Noch von dort in unser Herz hinein.
Liebste! Niemand kann so rein, so lauter Der Vermittler uns′rer Liebe sein. Liebste! Nie ein anderer Vertrauter Stehe zwischen uns, als Gott allein.
2. Liebster, Deine Worte stehlen Aus dem Busen mir das Herz. O wie kann ich Dir verhehlen Meine Wonne, meinen Schmerz!
Liebster, Deine Töne ziehen Aus mir selber mich empor Laß uns von der Erde fliehen Zu der sel′gen Geister Chor.
Liebster, Deine Saiten tragen Durch den Himmel mich im Tanz. Laß um Dich den Arm mich schlagen, Daß ich nicht versink′ im Glanz!
Liebster, Deine Lieder ranken Mir wie Strahlenkranz um′s Haupt. O wie kann ich dir es danken, Wie Du mich so reich umlaubt!
O ihr Herren, o ihr werthen Großen, reichen Herren all′! Braucht in euren schönen Gärten Ihr denn keine Nachtigall?
Hier ist eine, die ein stilles Plätzchen sucht die Welt entlang: Räumt mir eines ein, ich will es Euch bezahlen mit Gesang.
Nicht reichte mehr der Blumen Flor Zum Futter meiner Jungen.
Aus der staubigen Residenz In den laubigen frischen Lenz, Aus dem tosenden Gassenschrei In den kosenden, stillen Mai,
Aus dem rauschenden Opernsaal Zu dem lauschenden Frühlingsthal, aus dem glänzenden Waffenspuk Zu dem kränzenden Blumenschmuck,
Aus dem häßlichen Stutzerfrack′ Zu der läßlichen Gärtnerjack′, Aus der stickenden Menschenluft Zum erquickenden Waldesduft,
Von der stockenden, stolzen Spree Zu dem lockenden Quell im Klee, Aus der unendlichen Stadt Berlin Zu dem ländlichen Neuses hin.