German poem
Unglückselige Wohnung
by Friedrich Rückert (1788–1866)
Unglückselige Wohnung Hier weit hinter der Mauer, Aus der Stadt, der bewohnten, Aus der Welt wie verwiesen! Wo ein heulender Kater Und ein ächzendes Käuzchen, Zwei unheimliche Wächter, Unheildeutenden Lautes Dumpfe Stunden der Nacht mir, Dem Schlaflosen, betonen; Während fern an der Ecke Des verlorenen Gäßchens, Des verrufenen Winkels, Der Nachtwächter nur flüchtig Abgewendet ins Horn stößt, Daß der Ton nicht heraufschallt; Auch vom Thurme, dem nächsten, Von zu zwergigem Wuchse, Von zu schmächtigem Schallloch Und zu spärlichem Schlagwerk, Unverkümmert und deutlich Keine Stundenbezeichnung Mir, dem Lauschenden, zukommt. Nur bei grauendem Morgen Ist ein Glockengeläute Stark genug mich zu wecken, Das erwachenden Andern Frohen Tages Zurückkehr Ansagt, aber mich immer Traurig mahnt an die Frühe, Wo es so von dem Thurm klang Und mein Liebstes zu Grab rief.
More by Friedrich Rückert
- Und weil du dich so stolzen Sinns erhoben
- Und will's so ganz und gar denn nicht vom Platze
- Unendlich ist zugleich und endlich jedes Ding
- Unglaublich, wie erträgt ein Herz
- Unruhig ist die Welt, unruhig ist das Herz
- Unruhig ist's in der Natur
- Uns beiden ist hier die Luft zu schwer
- Uns ist ein halberwachs'nes Kind