Versos German Friedrich Rückert Vor deinen Augen hänget

German poem

Vor deinen Augen hänget

by (1788–1866)

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Vor deinen Augen hänget Ein Thränenflor, Wodurch zum Frühlingshimmel Du schaust empor.

Und weil du schaust so trübe Den Himmel an, Da kommt der Himmel selber Dir trübe vor.

O wische nur vom Auge Die Thrän' hinweg, Und sieh, er ist so heiter Als wie zuvor.

Es gehn die Welterleuchter Bei Tag und Nacht Mit ungeschwächtem Glanze Wie sonst hervor.

Der Sonne thut mit Purpur Die Pforten auf Der Morgen, und der Abend Mit Gold das Thor.

Und um die Silberstufen Des Thrones hält Des Mondes Blick geordnet Den Sternenchor.

Sie lächeln deinen Schmerzen Wie fremder Lust, Und lassen jedem Sinne Was er erkor.

Es athmet keine Wolken In ihrem Glanz Dein Seufzer, der vergebens Den Tod beschwor.

Warum willst du verschwenden Des Busens Hauch, Der sich verliert mit Säuseln, Wie Wind im Rohr?

Doch ist so reich an Seufzern Wohl deine Brust; Es ist nicht Schad' um einen, Den sie verlor.