German poem
Wenn du an das Knie die setztest
by Friedrich Rückert (1788–1866)
Wenn du an das Knie die setztest Deiner Mutter, sie ergetztest Mit unschuld'gen Plaudereien, Waren es mit lautem Schreien Brüder, die dazwischen stürzten, Die dich überall verkürzten. Deiner Mutter schnell entrissne! Da um dich die Grambeflissne Wollt' in Kummerangedenken Sich vertiefen, sich versenken, Ward sie von den Brüdern wieder Aufgestöret, die danieder Sterbkrank, als du starbest, lagen. So in Tod- wie Lebenstagen Hast du, Sanfte, Noth gelitten, Wie die Taub' in Geier Mitten. Gott sei Dank, daß sie genesen! Und nun trittst du, liebes Wesen, In des Hauses Trauerstille Unsichtbar, wie einst mein Wille War, du solltest sichtbar walten, Lauten Braus im Einklang halten, Bild der Anmuth und der Sitte In der jungen Wilden Mitte. Werden sie dich früh vergessen, Den Verlust nie ganz ermessen, Wie ich ihn ermessen habe: Doch ein Hauch von deinem Grabe Soll mir siegreich helfen kämpfen, Jugendliche Stürme dämpfen. Brüder, denkt, euch ist das Leben Für der Schwester Tod gegeben. Wenn ihr aus den Bettlein steiget Neulebendig; schweiget, schweiget, Junge Geier, muntre Schreier, Unsrer Taube Todtenfeier!
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