Versos German Georg Reicke 15 (Sie tippte mit dem Zeigefinger…)

German poem

15 (Sie tippte mit dem Zeigefinger…)

by (1863–1923)

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Sie tippte mit dem Zeigefinger leise Mir auf die Stirn und sagte: »Wüsst' ich nur, Was hinter dieser Stirn da alles kreise.«

›Und wenn das kluge Köpfchen es erfuhr ...?‹ »Dann wüsst' ich auch mir leichter klar zu machen, Ob Sie so—stark sind wirklich von Natur.«

›Und warum sonst?‹ Sie schwieg und liess mit Lachen Ihr Sonnenschirmchen Striche ziehn im Sand: »Je nun—man sagt nicht eben alle Sachen!«

›Zumal, wenn man mit seiner lieben Hand Den armen Frager schon von Sinnen brachte Und ihn so schwach wie jeden andern fand!‹

Sie atmete erregt. Es war, als wachte In ihrem Innern eine Ahnung auf, Die sie auf einmal völlig haltlos machte.

Denn wie ich ihren Händen nun den Knauf Des Sonnenschirms entwand und die befreiten Langsam zu meinen Lippen zog hinauf,

Da sah sie irren Blicks mich an: Ein Streiten Von Hass und Liebe war's, Furcht und Verlangen. Ich aber wartete auf keinen zweiten,

An meinem Herzen hielt ich sie gefangen.