German poem
17 (Weisst du wohl, als ich…)
by Georg Reicke (1863–1923)
Weisst du wohl, als ich einzog, fragte ich Vorsorglich gleich den Wirt, wer sonst im Haus Noch etwa wohne—und da nannt' er dich.
Und ich, nichts ahnend, forscht' ihn weiter aus, Nach Alter, Nam' und Stand. Da sagt' er mir, Du seist schon über Jugendzeit hinaus;
Sehr scheu und einsam; wärst zur Heilung hier; Recht krank und elend; überdies ja Frau Und jedenfalls ganz ungefährlich mir.
Ich folgte der Beschreibung, und genau Wie er gesagt, hatt' ich dich mir gedacht. Und heute, wenn ich dir ins Antlitz schau,
Wenn mir dein liebes Auge schelmisch lacht, Wenn ich verspüre deines Körpers Nähe Und wie mich all das Liebe toll gemacht—
Ja, wenn ich nur dran denke—ich gestehe (Aus meinem Blick hast du's wohl lang gelesen), Dass heut, du Zauberin, in dir ich sehe
Gefährlichste Gefahr, die je gewesen!