Versos German Georg Reicke 23 (Im feuchten Sand verfolgend ihrer…)

German poem

23 (Im feuchten Sand verfolgend ihrer…)

by (1863–1923)

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Im feuchten Sand verfolgend ihrer Schuhe Graziöse Spur, die mir der Mond enthüllt, Schreit ich am Meer entlang. Rings tiefste Ruhe.

Kaum, dass die letzte Welle leise schwillt Und heimlich plätschernd mit dem Silberschimmer Im Sande spielt. Und schau—: welch holdes Bild?

Im kleinen holdverschwiegnen Giebelzimmer Lehnt sie am Fenster—weisses Mondlicht rinnt Um die Gestalt und küsst mit blauem Flimmer

Den weissen Hals. Sie aber steht und sinnt. Ob er noch kommt? Sonst war er stets schon da—! Wie hell es draussen ist—! Ich bin ein Kind!

Verbot ich's ihm nicht selbst?—Allein er sah Wohl deutlich, dass ich scherzte. Böser Mann, Nahmst du's für Ernst? Doch nein! er lachte ja

Und fragte noch, ob ich auch lügen kann!—— Noch denkt sie so—da, horch, vor ihrer Schwelle Erklingt ein Schritt—ganz leise pocht es an,

Die Türe geht—und in der Dämmerhelle Steht er vor ihr. »Du? Heut? Ich glaubte nicht ...« ›Ich sehnte mich!‹ »Wonach?«—›Auf dieser Stelle

Vor dir zu knieen und dein lieb Gesicht Im Mondenschein zu sehn.‹ »So sieh—und geh! Allein du bleibst?« ›Schau nur, das weisse Licht!‹

»Es malt recht schön!«—›Ich aber, wenn ich's seh Auf Arm und Hals und weissen Gliedern weilen, Fürwahr ich glaub, dass ich vor Neid vergeh,

Lässt du mich solche Nacht nicht mit ihm teilen!‹