Versos German Georg Reicke 26 (Auf sie zu warten, wenn…)

German poem

26 (Auf sie zu warten, wenn…)

by (1863–1923)

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Auf sie zu warten, wenn sie morgens früh Zur Türe tritt—mit ihr den Kaffee nehmen, Wenn's geht im Zelt; darüber ohne Müh

Zwei Stunden zu vertun; dann sich bequemen, Ins Bad zu steigen; wenn man fertig da, Im Garten auf sie wartend Platz zu nehmen,

Und da man kaum vom Strand sie kommen sah, Vergnügt ihr wie ein Kind entgegenlaufen, Als wenn uns lang kein solches Glück geschah;

Dann in das Dörfchen gehn, ihr Blumen kaufen; Zurückgekehrt die Mittagstoilette Mit Kunst bewundern, dazu einen Haufen

Verliebter Dinge sagen, gleich als hätte Man Wichtigeres niemals sich erstrebt Und sei ein Mann modernster Etikette—

Das heisst jetzt meine Arbeit! Davon lebt Jetzt meine Seele, die vor kurzen Zeiten Vor solchem Tändeln scheu zurückgebebt!

Und lockt's nachmittags uns, sie zu begleiten, Weil gar zu herrlich Himmel, Wald und Feld, So will kein Atemzug dawider streiten.

Dann geht man ihr zur Seite, sieht die Welt Im Sonnenglanze heiter lächelnd liegen— Schaut nach den Wölkchen hoch am Himmelszelt,

Aufs blaue Meer, und wie die Möwen fliegen, Und fühlt beglückt, wenn man in Träumen steht, Sich leise eine Hand in unsre schmiegen.

Glückliche Zeit! Ob auch die Stunde geht, Die nächste scheint nur Schön'res noch zu senden Und Lüfte bringen, was der Wind verweht ...

Auf heissersehnten Lippen, lieben Händen Ruht Seligkeit, Entbehrung und Genuss, Und was beglückt, das können sie uns spenden—

Ob all das wirklich einmal enden muss?