Versos German Georg Reicke 6 (Wie war's? Wie kam's? Fast…)

German poem

6 (Wie war's? Wie kam's? Fast…)

by (1863–1923)

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Wie war's? Wie kam's? Fast muss ich mich besinnen. Ich wiederhol mir's schon zum zehnten Mal Und weiss noch immer nicht, womit beginnen.

Zur Mittagstafel trat ich in den Saal Im Strandhotel. Der Gäste Zahl war klein; Man sass bereits. So blieb mir keine Wahl,

Ich nahm den einzig freien Platz. Allein, Kaum dass ich Musse fand mich umzuschauen, Schlug mir das Herz bis in den Hals hinein.

Erst glaubt ich meinen Augen nicht zu trauen, Denn vis-a-vis, leibhaftig, mir ganz nah Sprach sie zu einem Herrn mit busch'gen Brauen.

Der andre war sehr eifrig, doch man sah, Sie schien nur eben sein Gespräch zu leiden Und gab kaum halbe Antwort hie und da.

Inzwischen liess es sich nicht gut vermeiden, Dass sich ein rascher Blick zu mir verlor Und ich an seinem Glanz mich durfte weiden.

Ihr Nachbar stellte über Tisch mich vor, Doch liess er dann mich kaum zu Wort gelangen Und sie, geduldig, lieh ihm sanft das Ohr.

So ging's zu Ende, wie es angefangen, Mir viel zu schnell. Denn eh noch Zeit ich fand, Mich ihr zu nähern, war sie schon gegangen.

Ein seltsames Gesicht! Die Jugend schwand Wohl allzufrüh daraus. Nun sind die Züge So herb und mild zugleich. Auch ihre Hand

Ist blass und weiss, fast, wenn ich mich nicht trüge, Zu weiss, durchsichtig fast. Ein Dichter sagt, Dass solche Nachts auf krankem Herzen liege.

Ob's wahr? Ob ihr ein Wurm am Herzen nagt?