German poem
Der alte Wirth in Lancashire
by Georg Weerth (1822–1856)
5. „Der alte Wirt in Lancashire.“
Der alte Wirth in Lancashire Der zapft ein jämmerliches Bier; Er zapft’ es gestern, zapft es heut’, Er zapft es nur für arme Leut’.
Die armen Leut’ in Lancashire Die gehen oft durch seine Thür; Sie geh’n in Schuhen, die entzwei, Sie geh’n in Röcken, die nicht neu.
Der erste von dem armen Pack, Das ist der bleiche, stille Jack. Der spricht: „Wie auch die Händ’ ich rührt’, „Zum Glücke hat’s mich nie geführt.“
Und Tom begann: „Schon manches Jahr „Spann ich die Fäden fein und klar; „Das wollne Kleid war Manchem lieb, „Und doch ich selber dürftig blieb!“
Und Bill darauf: „Mit treuer Hand „Führt ich den Pflug durch brittisch Land; „Die Saaten sah’ ich lustig stehn – „Doch hungrig mußt zu Bett ich geh’n.“
Und weiter schallt’s: „Aus tiefem Schacht „Hat Ben manch Fuder Kohlen bracht; „Doch als sein Weib ein Kind gebor – „God-dam, das Weib und Kind erfror.“
Und Jack und Tom und Bill und Ben – Sie riefen allesammt: „God-dam!“ – Und selbe Nacht auf weichem Flaum Ein Reicher lag in bösem Traum.