German poem
In lauen Sommernächten
by Georg Weerth (1822–1856)
In lauen Sommernächten, Wo alles wundersam, Da war es, daß wir zechten Bis daß der Morgen kam. Ein Wetterleuchten zuckte Bisweilen übern Rhein; Das stille Mondlicht blickte In unsre Becher hinein.
Es sang mit süßem Schalle Im tiefen Stromestal Die schöne Nachtigalle Von ihrer Liebesqual. Und um die Berge flogen Die Nebel wunderbar: Als käme angezogen Eine luftige Geisterschar.
Die Lindenzweige rauschten Um unsern Tisch herum: Wir horchten und wir lauschten Und wurden still und stumm. Wohl halb im Traume blickten Wir in den grünen Rhein; Und bückten uns und nickten Und schlummerten endlich ein.