German poem
Kaiser Karl
by Georg Weerth (1822–1856)
Herr Kaiser Karl, der fromme Mann, Ließ viele Menschen zu Tode schlahn; Er schlug sie tot um das Christentum: Das brachte ihm ungeheuren Ruhm.
Und saß zu Aachen in seiner Pracht, Im Wams aus Otternfell gemacht; Und alle Völker nah und fern, Die beugten sich dem gewalt'gen Herrn
Und brachten Geschenke aus aller Welt, Viel Gold und Seiden und Gezelt; Ihm bracht der Kalif aus Morgenland Eine Uhr und einen Elefant.
Doch Kaiser Karl, der fromme Held, Er sprach: »Was nutzt mir Gold und Geld, Was soll der fremde Elefant? – Hab schönre Dinge im eignen Land!«
Und zog hinauf den grünen Rhein, Und pflanzte die Rebe zu Ingelheim; Und pflegte sie mit derselben Hand, Die hundert Völker überwand,
Ja pflegte sie mit der blutroten Hand, Die hundert Völker überwand – Und dies ist der Grund, daß zu Ingelheim Noch heute wächst der blutrote Wein.