German poem
Dreizehn Jahre alt
by Gerrit Engelke (1890–1918)
Wie du im Abendqualm So einfältig an mir vorübergehst, Tauchst du in meinen Gleichmutblick den deinen – Den deinen Der in dem mageren Gesicht wie eine Frage, Wie feuchter grauer Schimmer schwimmt – O unbewußte Mädchenklage – Dein Auge frägt – dein Auge glimmt –
Du hast so sehnsuchtmagere Glieder, Du trägst noch zartgeflochtene falbe Kinderhaare, Du hast so aufgeschossene Glieder, Du bist wohl dreizehn Jahre alt – schon dreizehn Jahre – Du trägst das blaugepunkte kurze Kleid Aus Waschkattun, Du gehst in lächerlichen Kinderschuh'n – Du steckst noch ganz in Kindlichkeit, Doch dein Auge – dein Auge allein....
Doch gehst du wie in trübem Bangen, Doch gehst du so befangen – Ich weiß, es weht der Frühjahrswind – Die Luft ist dunstigblau, blütenlind – Du möchtest gern dich selbst erlösen –
Geh weiter – weiter, kleines blasses Kind –