Versos German Gottfried August Bürger Der Raubgraf

German poem

Der Raubgraf

by (1747–1794)

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Es liegt nicht weit von hier ein Land, Da reist’ ich einst herdurch; Am Weg’ auf hohem Felsen stand, Vor Alters, eine Burg. Die alten Rudera davon Wies mir der Schwager Postillon.

Mein Herr, began der Schwager Maz Mit heimlichem Gesicht, Wär’ mir bescheert dort jener Schaz, Führ’ ich den Herrn wol nicht. Mein Seel! den König fragt’ ich gleich: Wie theuer, Herr, sein Königreich? Wol manchem wässerte der Mund, Doch mancher ward geprelt. Denn, Herr, Gott sey bei uns! Ein Hund Bewacht das schöne Geld. Ein schwarzer Hund, die Zähne blos, Mit Feueraugen, tellergros!

Nur immer alle sieben Jahr’ Läst sich ein Flämchen sehn. Dann mag ein Bok, kolschwarz von Haar, Die Hebung wol bestehn. Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht, Wird der dem Unhold dargebracht.

Doch merk’ eins nur des Bösen List! Wo noch zum Ungelük Am Bok ein weisses Härchen ist, Alsdann Ade! Genik! Den Knif hat mancher nicht bedacht, Und sich um Leib und Seel’ gebracht. Für meinen Part, mit grossen Herrn, Und Meister Urian, Aess’ ich wol keine Kirschen gern. Man läuft verdamt oft an. Sie werfen einem, wie man spricht, Gern Stiel und Stein ins Angesicht.

Drum rath’ ich immer: Lieber Christ, Las dich mit keinem ein! Wann der Kontrakt geschlossen ist, Bricht man dir Hals und Bein. Troz allen Klauseln, glaube du, Macht jeder dir ein X für U. –

Goldmacherei und Lotterie, Nach reichen Weibern frei’n, Und Schäze graben, segnet nie, Wird manchen noch gereu’n. Mein Sprüchlein heist: Auf Gott vertrau, Arbeite brav und leb genau! Ein alter Graf, fuhr Schwager Maz Nach seiner Weise fort, Vergrub zu Olims Zeit den Schaz In seinem Keller dort. Der Graf, mein Herr, hies Graf von Rips, Ein Kraut, wie Käsebier und Lips.

Der streifte durch das ganze Land, Mit Wagen, Ros und Man, Und, wo er was zu kapern fand, Da macht’ er frisch sich dran. Wips! hatt’ er’s weg, wips! ging er durch, Und schlept’ es heim auf seine Burg.

Und wann er erst zu Loche sas, So schlug mein Graf von Rips, – Denn hier that ihm kein Teufel was, – Gar hönisch seinen Schnips. Denn sein verfluchtes Felsennest War, wie der Königstein, so fest. So übt’ er nun gar lang und oft Viel Bubenstükchen aus, Und fiel den Nachbarn unverhoft In Hof und Stal und Haus. Allein, der Krug geht, wie man spricht, So lang zu Wasser, bis er bricht.

Das Ding verdros dem Magistrat Im nächsten Städtchen sehr, Drum rieth der längst auf klugen Rath Bedächtlich hin und her, Und rieth und rieth – doch weis man wol! – Die Herren riethen sich halb tol.

Da nun begab sich’s, daß einsmals, Ob vielem Teufelsspas, Ein Lumpenhexchen auf den Hals In Kett’ und Banden sas. Schon wezte Meister Urian Auf diesen Braten seinen Zahn. Dies Hexchen sprach: Hört! Last mich frei, So schaff’ ich ihn herein. Wol! sprach ein edler Rath, es sey! Und gab ihr oben drein Ein eisern Privilegium: Zu hexen frank und frei herum.

Ein närscher Handel! Unsereins Thät’ nichts auf solchen Kauf. Doch Satans Reich ist selten eins, Und reibt sich selber auf. Für diesmal spielt die Lügenbrut Ihr Stükchen ehrlich und auch gut.

Sie kroch, als Kröt’, auf’s Räuberschlos, Mit losem leisen Trit, Verwandelte sich in das Ros, Das Rips gewönlich rit; Und als der Schloshahn krähte früh, Bestieg der Graf gesattelt sie. Sie aber trug, troz Gert’ und Sporn, So sehr er hieb und trat, Ihn, über Stok und Stein und Dorn, Gerades Wegs zur Stadt. Früh, als das Thor ward aufgethan, Sieh da! kam unser Hexlein an.

Mit Krazfus und mit Reverenz Naht hönisch alle Welt: Wilkommen hier, Ihr’ Exzellenz! Quartier ist schon bestelt! Du hast uns lange sat geknuft; Man wird dich wieder knuffen, Schuft!

Dem Schnaphahn ward, wie sich’s gebürt, Bald der Prozes gemacht, Und drauf, als man ihn kondemnirt, Ein Käficht ausgedacht. Da ward mein Rips hinein gespert Und wie ein Murmelthier genärrt. Und, als ihn hungern thät, da schnit Der Knips, mit Höllenqual, Vom eignen Leib’ ihm Glied vor Glied, Und briet es ihm zum Mal. Als jeglich Glied verzehret war, Briet er ihn seinen Magen gar.

So schmaust’ er sich denn selber auf, Bis auf den lezten Stumpf, Und endigte den Lebenslauf, Den Nachbarn zum Triumf. Das Eisenbau’r, worin er lag, Wird aufbewahrt, bis diesen Tag. –

Mein Herr, fält mir der Käsicht ein, So denk’ ich oft bei mir: Er dürfte noch zu brauchen seyn, Und weis der Herr, wofür? – – Für die Französchen Raubmarquis Die man zur Ferme kommen lies. – Als Maz kaum ausgeperorirt, Sieh da! kam queerfeldan Ein Sansfaçon daher trottirt, Und hielt den Wagen an, Und visitirte, Pak vor Pak, Nach ungestempelten Tabak.