German poem
Der Ritter und sein Liebchen
by Gottfried August Bürger (1747–1794)
Ein Ritter ritt einst in den Krieg, Und als er seinen Hengst bestieg, Umfing ihn sein fein's Liebchen: »Leb wohl, du Herzensbübchen! Leb wohl! Viel Heil und Sieg!
Komm fein bald wieder heim ins Land, Daß uns umschling' ein schön'res Band, Als Band von Gold und Seide: Ein Band aus Lust und Freude, Gewirkt von Priesterhand!« –
»Ho, ho! Käm' ich auch wieder hier, Du Närrchen du, was hülf' es dir? Magst meinen Trieb zwar weiden; Allein dein Band aus Freuden Behagt mit nichten mir.« –
»O weh! so weid' ich deinen Trieb, Und willst doch, falscher Herzensdieb, Ins Ehband dich nicht fügen! Warum mich denn betrügen, Treuloser Unschuldsdieb?« –
»Ho, ho! du Närrchen, welch ein Wahn! Was ich that, hast du mitgethan. Kein Schloß hab ich erbrochen, Wann ich kam anzupochen, So war schon aufgethan.« –
»O weh! So trugst du das im Sinn? Was schmeichelst du mir um's Kinn? Was mußtest du die Krone, So zu Betrug und Hohne, Mir aus den Locken ziehn?« –
»Ho ho! Jüngst flog in jenem Hain Ein kirres Täubchen zu mir ein. Hätt' ich es nicht gefangen, So müßten mir entgangen Verstand und Sinnen sein.« –
D'rauf ritt der Ritter hop sa sa! Und strich sein Bärtchen trallala! Sein Liebchen sah ihn reiten, Und hörte noch vom weiten Sein Lachen ha ha ha! – –
Traut, Mädchen, leichten Rittern nicht! Manch Ritter ist ein Bösewicht. Sie löffeln wohl und wandern, Von Einer zu der Andern, Und freien Keine nicht.