German poem
Herwegh
by Gottfried Keller (1819–1890)
Schäum brausend auf! – Wir haben lang gedürstet, Du Goldpokal, nach einem jungen Wein, Da traf in dir ein guter Jahrgang ein, Wir haben was getrunken, was gebürstet!
Noch immer ragt Zwing-Uri hoch gefirstet, Noch ist die Zeit ein stummer Totenschrein, Der Schläfer harrt auf seinen Osterschein – Zum Wecker bist vor vielen du gefürstet!
Doch wenn nach Sturm der Friedensbogen lacht, Wenn der Dämonen finstre Schar bezwungen, Zurückgescheucht in ihres Ursprungs Nacht:
Dann soll dein Lied, das uns nur Sturm gesungen, Erst voll erblühn in reicher Frühlingspracht: Nur durch den Winter wird der Lenz errungen!