Versos German Gottlieb Konrad Pfeffel Die Zufriedenheit

German poem

Die Zufriedenheit

by (1736–1809)

Listen in the reader

Göttliche Zufriedenheit, Braut des Weisen, Nur ein Sohn der goldnen Zeit Darf dich preisen. Aber flehn darf ich zu dir: Hilf das Thal der Leiden mir Still durchreisen.

Nur nach dir, du höchstes Gut, Geht mein Streben; Schenke du dem Dulder Muth Auszuleben. Selbst dem Kelch des Marterthums Kannst du des Elysiums Vorschmack geben.

Was nur Kinder vom Geschick Heiß begehren; Was Geburt und Gunst und Glück Uns gewähren; Was ihm nicht zur Weisheit nützt, Lernt ein Herz, das dich besitzt, Leicht entbehren.

Gern läßt es die Schichten Geld Harpagonen; Gern läßt es dem stolzen Held Seine Kronen. Unter einem Hirtenkleid Wohnet mehr Zufriedenheit Als auf Thronen.

Wank ich gleich an meines Kahns Morschem Steuer; Eingehüllt in Oßians Augenschleyer; Dennoch bleibt mein Frohsinn mir; Den, o Göttin, dank ich dir Und der Leyer.

Wenn ich, trautes Himmelskind, Dich nur habe; Dienest du durchs Labyrinth Mir zum Stabe; So beklag ich nie mein Loos, Und ich finde deinen Schoos Auch im Grabe.