Versos German Gustav Falke Der Freier

German poem

Der Freier

by (1853–1916)

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Es saß im hellen Sonnenschein Gevatter Tod am Grabenrand, Kreuzte gemächlich Bein und Bein Und hielt ein Blümchen in der Hand.

Er trieb das alte Fragespiel Und fragte ehrlich Blatt für Blatt, Bis er den kahlgerupften Stiel In seinen harten Fingern hatt'.

Ein melancholisch Lächeln glitt Leicht übers gelbe Kalkgesicht, Dann stand er langsam auf und schritt Durchs Stoppelfeld. Er eilte nicht.

Das Dorf lag hinterm nächsten Hang, Und sicher war die Braut ihm auch, So war denn auch sein Freiersgang Gemächlicher als sonst der Brauch.

Noch einmal, vor dem letzten Haus, Brach er ein Asterchen und riss Ihm alle seidenen Blättchen aus Und zählte nicht, des Spiels gewiss.

Er warf den Stengel hinter sich Und trat ins niedere Häuschen ein: Schön Annemarie, ich liebe dich Und frage nicht ja und frage nicht nein.