Versos German Gustav Falke Liebesgestammel

German poem

Liebesgestammel

by (1853–1916)

Listen in the reader

Es ist alles nicht auszusagen, Was ich um dich gelitten. Du musst meine schlaflosen Nächte fragen, Da ich mit Beten um dich gestritten, Mit Wünschen und Sehnen und Hoffen viel Trieb ein thörichtes Liebesspiel.

Und wenn ich dann an deiner Seite Wunderseliges tief gespürt, Und, wie auf seinem Teppichgebreite Des Moslems Stirn die Erde berührt, Vor dir anbetend die Seele geneigt, Die sich so gern in Stolz versteigt, Da ist mir so recht in Wonnen und Bangen Das Wesen der Liebe aufgegangen. So willenlos, keusch, himmelsrein In eine Seele versunken sein, Holdeste Zweieinigkeit Ohne Sinnenwiderstreit.

Aber getrennt, ging ich umher Eine einsame Seele, die keiner versteht. Sie bangt um ihren Himmel sehr Und weiß nicht, wo die Straße geht, Schlägt in rastlosem Sehnsuchtsspiel Tausend Brücken nach ihrem Ziel, Über die mit zitternden Knien All ihre weinenden Wünsche ziehn.

Ich bin dein, O wärst du mein! Hülfe mir Beten, hülfe mir Bitten — Aber ich will mich des Hoffens entschlagen. Es ist alles nicht auszusagen, Was ich so lange um dich gelitten.