Versos German Gustav Falke Mondlicht

German poem

Mondlicht

by (1853–1916)

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Das blasse Licht des vollen Mondes geistert Durchs schlechtverhängte Fenster uns ins Zimmer. Du schläfst. Die Kinder auch. Mir aber meistert Der Magier der Nacht den Schlaf wie immer, Und wachen Ohrs, das alles hört, ausfragt Und deutet, lieg ich. Unsre Ältste leiht Verworrnem Traum, der sie durch Schrecken trägt, Angstvollen Laut, richtet sich auf und schreit Entsetzt einmal den Namen ihrer Schwester. Ich ruf sie an: Schlaf! Still! dir träumt! Gleich weicht Der böse Alp von ihr. — O diese Nester Von Nachtgespenstern, die der Mond beschleicht Und aufstört, Nester, eingebaut In unsrer Seelen abgelegene Ecken Und Winkel, die uns zu betreten graut. Wie still, unschuldig, ruht auf unsern Decken Das Licht des Monds und ist doch voller Tücken. Es ruht! Nein, wandelt. Dieses breite Band Milchigen Lichtes seh ich weiterrücken, Langsam. So tastet leise eine Hand, Die Arges vorhat und behutsam gleitet, Nach ihrem Raub. Nun schiebt das kalte Licht Sich mählich auf dein Bett hinüber, breitet Sich über deine Kissen. Dein Gesicht, Fühlt es das Licht? Du rückst, weichst, kriegst Ganz weg vor diesem Licht. Könnt deinen Traum Ich jetzt belauschen. Mit der Stirne liegst Du eingewühlt in deines Kissens Flaum, Wie weggeduckt vor diesem bösen Licht, Das jetzt auf deinem schwarzen Scheitel lastet, Schwer lastet. Du, wie leblos, rührst dich nicht. So sitzt, vom Blick der Schlange schon betastet, Der Vogel wie erstarrt, noch eh der Schlund Des giftigen Wurms ihn wegschluckt. Langsam lässt Das Licht von dir. Und aus dem dunklen Grund Des Grauens tauchst du auf. Noch geht gepresst Dein Atem, stockend. Doch du wendest wieder Die Stirn nach oben. Dein Gesicht ist blass, Und einmal zucken deine feinen Lider, Als würdest du nun wach. Du murmelst was. Ich ruf. Ein Seufzer nur. „Annie!“ Kein Laut. — Mich fröstelt. Wenn nur erst der Morgen graut.