German poem
Vor Schlafengehen
by Gustav Falke (1853–1916)
Die Kinder schlummern in den Kissen, Weich, weichen Atems, nebenan, Ein Traum vom heutigen Tag, und wissen Nicht, was mit diesem Tag verrann.
Wir aber fühlen jede Stunde, Die uns mit leisem Flügel streift, Und wissen, dass im Dämmergrunde Der Zeit uns schon die letzte reift.
Wir sitzen enggeschmiegt im Dunkeln. So träumt sich's gut. Und keines spricht. Durchs Fenster fällt ein Sternenfunkeln, Vom Ofen her ein Streifchen Licht.
Einmal, im Schlaf, lacht eins der Kleinen Ganz leis. Was es wohl haben mag? Springt es mit seinen kurzen Beinen Noch einmal fröhlich durch den Tag?
Ein Mäuschen knabbert wo am Schrägen, Knisternd verkohlt ein letztes Scheit, Die alte Uhr hebt an zu schlagen — Da sprichst du leis: Komm, es ist Zeit.