Versos German Gustav Hohbach Die Elementargeister

German poem

Die Elementargeister

by (1803–1850)

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Chor. Den Menschen geleiten Wir auf des Lebens Bahn, Und führen ihn treulich Zum fernen Ziel hinan.

Wir weinen, wir scherzen, Wir lieben, wie er, Und fühlt er die Schmerzen Der Erde nicht mehr,

Dann erweisen wir freundlich Ihm noch die letzte Pflicht, Und legen ihn in die Bahre; Doch dankt er’s uns nicht.

Die Salamander. Es flammet das ewige Feuer so rein; Wir Salamander stürzen hinein; Da lodert es hell, und Funken sprüh’n, Du siehst sie da droben als Sternlein glüh’n. Sie funkeln so hold Gleich lichtem Gold, Und gießen der Liebe unendliche Lust In der Mädchen und Jünglinge glühende Brust.

Den Jüngling reißt ein heißes Streben Schon frühe weg vom Vaterhaus. Er geht allein ins wirre Leben Voll Hoffnung und voll Muth hinaus. Es treibt ihn rastlos in die Ferne, Und was er hat, genügt ihm nie; Weit hinter die entferntsten Sterne Trägt kühn ihn seine Phantasie.

Doch stillt er nicht des Herzens Sehnen, Wird auch des Wissens Durst gestillt. Er weinet einsam heiße Thränen, Er findet nicht das theure Bild, Das oft in stillen, heil’gen Träumen Des Knaben keuschen Sinn entzückt: – Ach, in der Schöpfung weiten Räumen Schlägt ihm kein Herz, das ihn beglückt.

Da will er muthig denn entsagen, Und kehrt in’s Heimathland zurück. Kommt’s nicht von selber dir, erjagen Läßt nimmer sich der Erde Glück. – Schon sieht er es von ferne blinken, Das Vaterhaus, im Abendschein; Die Bäume sieht er freundlich winken; Fast kehret Frohsinn bei ihm ein.

Doch plötzlich – darf, o darf er trauen? Hat nicht sein Auge falsch gesehn? – Er sieht die Holdeste der Frauen Mit zücht’gen Blicken vor sich stehn. „So hab’ ich endlich dich gefunden, Du, meiner Träume theures Bild? Nun wirst du, armes Herz, gesunden, Nun ist dein Sehnen bald gestillt!“

Die Sylphen. Wir fliegen, wir schweben Froh über das Leben Der Sterblichen hin. O wahrt euch, ihr Armen, Den fröhlichen Sinn. Genießet des Lebens, Dieweil es noch Zeit: Bald sehnt ihr euch vergebens Nach der Vergangenheit.

O glücklich, wer schon frühe fand Ein treues Herz, das ihn verstand, Ein Herz, das ganz sein eigen ist, Und seiner Liebe nie vergißt.

Ob Unglück auch uns wild umstürmt, Ob Leiden sich auf Leiden thürmt: Wer hoffen noch und lieben kann, Der schaut das Leben heiter an.

Wenn Grabesluft am Abend spät Durch seine Silberlocken weht, Was dann dem Armen Trost noch gibt? – Er hat gelebt und hat geliebt.

Die Undinen. Tief in den Wassern Hausen wir, Liebend, ihr Sterblichen, Innig, wie ihr. Liebend auch euch: Doch Thränen nur Gab uns für euch Mutter Natur.

Willst du hier auf Erden, Armer, glücklich werden, O so sage nur der Lieb’ Ade. Denn wer liebet, Den betrübet Doppelt des Geliebten Weh.

Nimmer, wird hienieden Deinem Herzen Frieden, Nimmer eh es ruht im kühlen Grab; Und mit Freuden Wechseln Leiden Ewig hier auf Erden ab.

Rothe Rosen glänzen Wohl im heitern Lenzen Hold in anmuthvoller Farbenpracht; Sie verblühen Und verglühen In des Herbstes kalter Nacht.

Mädchenwangen blühen, Jünglingsherzen glühen, Doch es rafft sie weg der kalte Tod, Und nur Thränen Hat das Sehnen, Hat das Herz in seiner Noth.

Und es will zerspringen; Aber Engel singen Freundlich hohen Himmelstrost ihm zu: Nicht hienieden – Dort ist Frieden, Dort im Himmel wohnt die Ruh!

Die Gnomen. Wir graben und graben Ein großes Grab; Es müssen alle Zu uns herab. Wir graben tief In der Erde Schacht. Einst deckt euch Alle Des Todes Nacht.

Wenn am Abend hell die Sterne flimmern, Schleicht ein Jüngling auf den Kirchhof hin. „Ach, ihr würdet nicht so freundlich schimmern, Wüßtet ihr, wie ich so elend bin. Die ich liebte, sie ist hingegangen, Und sie hat der Tod sich angetraut. Mädchen, warum flohst du mein Umfangen? Wardst mir ungetreu, du Todesbraut?

Ruht sich’s süßer in des Todes Armen? Ruht sich’s weicher in dem dunkeln Grab? Fühlst du nimmermehr mit mir Erbarmen? Ja, du winkest mir zu dir hinab. Ach es ist so schön, dieß Erdenleben, Und ich hoffte, glücklich hier zu seyn! Doch du rufst mir! – mag das Herz auch beben, Nimmer lasse dort ich dich allein!“

Und er wirft sich auf den Hügel nieder, Der die Leiche der Geliebten deckt. – Jeden Abend kommt er bleicher wieder, Weinend, bis der goldne Tag ihn weckt. Also lag er in des Morgens Lichte Einst entseelt auf seines Mädchens Grab, Und der Todtengräber senkt’ ihn dichte Neben der Geliebten Gruft hinab.

Gustav Hohbach.