German poem
Gott
by Gustav Sack (1885–1916)
Aus Furcht geboren und vom Wunsch verschönt, ein Bild unsrer Vollkommenheit zu malen, wurdest du Jude und zum Kannibalen, der eifervoll dem Bruderfraße frönt;
dann nährtest du dich, opferblutgewöhnt, von unsrer Selbstzerfleischung Folterqualen, bis deine Wut verdämmerte zum fahlen Gespenst, das hohl und wimmernd uns umstöhnt:
Oh Ding an sich! Oh Wahrheit! Letzter Grund! Nun stirbst du – – dennoch fachte dieses Wort all unsrer Sehnsucht Narrenschmerzen und
Gelüste an und unsre Welt verdorrt noch in den Dünsten, die dein toter Mund aushaucht, zu einem runden Narrenort.