German poem
Deiner Wange Bild begleitet
by Hafis (1326–1389)
Deiner Wange Bild begleitet Freundlich mich in jedes Land;
Deines Haares Düfte bilden Meiner wachen Seele Band.
Gegen jeden Widersacher, Der da nichts von Liebe weiss,
Ist die Schönheit deiner Züge Wohl der sprechendste Beweis.
Sieh, der Apfel deines Kinnes Warnet, also sprechend, dich:
»Tausende, wie Joseph, stürzten Schon in meinen Brunnen sich.«
Wenn zu deinem langen Haare Meine Hand den Weg nicht fand,
Ist's die Schuld des wirren Looses Und der Kürze meiner Hand.
Zu dem Pförtner, der das Inn're Des Palast's bewachet, sprich:
»In den Thürstaub meines Thronsaal's Setzet stets ein Armer sich;
Tief verhüllt vor meinem Blicke Ist dem Scheine nach er zwar,
Doch dem Blicke des Gemüthes Stellt er sich erfreulich dar.
Klopft Hafis einst, um zu betteln, An ein Thor, so schliess' ihm auf;
Denn mein Mond weckt sein Verlangen Schon durch vieler Jahre Lauf.«
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