Versos German Hafis Der Rosenbaum der Wonne blühet

German poem

Der Rosenbaum der Wonne blühet

by (1326–1389)

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Der Rosenbaum der Wonne blühet: Wo ist der Rosige, der Schenke?

Des Frühlings laue Lüfte wehen: Wo ist der Wein, dies Kraftgetränke?

An eine Rosenwange mahnet Zwar jedes Röschen auf den Auen:

Doch, wo sind Ohren dies zu hören, Und wo sind Augen dies zu schauen?

Es mangelt dem Gelag der Wonne Der Zibet der den Wunsch durchdüfte:

Wo ist des Freundes Moschuslocke? O sagt es mir, Ihr Morgenlüfte!

Der Rose Prahlerei mit Schönheit Soll mich in Zukunft nicht mehr drillen:

In's Herzensblut taucht' ich die Hände: Wo ist das Bild, um Gotteswillen!

Die Morgenkerze hat – verblendet – Mit deiner Wange Reiz geprahlet:

Der Feind verlängerte die Zunge: Wo ist der Dolch der glänzend strahlet?

Er sprach: »Du scheinest kein Verlangen Nach meiner Lippe Kuss zu hegen.«

Mich hat die Lust darnach getödtet: Wo ist die Wahl und das Vermögen?

Hafis steht in der Kunst des Wortes Als Hüter bei dem Weisheitshorte:

Doch, durch die nied're Zeit gekränket, Wo fände wer noch Lust zum Worte?