German poem
Der verlorne Joseph kehret
by Hafis (1326–1389)
Der verlorne Joseph kehret – Traure nicht – nach Kanaan:
Bald füllt sich des Grames Zelle – Traure nicht – mit Rosen an.
Tröste dich, bald wird es besser, Herz, das stets nur Gram empfand,
Denn es kömmt dies Haupt, das wirre. – Tröste dich – noch zu Verstand.
Wenn der Lenz des Lebens wieder Thronet auf dem grünen Feld,
Spannst du über's Haupt, o Sprosser, – Traure nicht – ein Rosenzelt.
Hoffe stets, wenn auch dein Scharfsinn Das Verborg'ne nicht entdeckt:
Hinter'm Vorhang gibt es Spiele, – Traure nicht – gar tief versteckt.
Hat des Himmels Dreh'n zwei Tage Unserm Wunsche nicht willfahrt,
– Traure nicht – denn was sich drehet Ist veränderlicher Art.
Wenn aus Sehnsucht nach der Kába Du der Wüste Sand betrittst,
– Traure nicht – wenn auch durch Dorne Du Verletzungen erlittst.
Herz, scheint durch den Strom des Übels Dir des Lebens Bau zerstört,
– Traure nicht – am Ruder sitzet Nöe, der die Fluth beschwört.
Ist der Weg auch sehr gefährlich Und das Ziel nicht abzuseh'n,
– Traure nicht – denn jede Strasse Muss denn doch zu Ende geh'n.
Wenn mich des Geliebten Trennung Und der Nebenbuhler kränkt,
– Traure nicht – Gott weiss dies Alles, Er, der alles fügt und lenkt.
Weilst, Hafis, im Armuthswinkel Du allein bei finst'rer Nacht.
– Traure nicht – so lang du betest Und der Koran bei dir wacht.