Versos German Hafis Die Seele ohne Freund der Seele

German poem

Die Seele ohne Freund der Seele

by (1326–1389)

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Die Seele ohne Freund der Seele Hat Lust nicht an der Welt:

Wem dieser fehlt, von dem ist's sicher, Dass ihm auch jene fehlt.

Bei Niemand ward von jenem Holden Ein Zeichen ich gewahr;

Bin ich so blöde, oder wäre Er aller Zeichen bar?

Auf der Station zufried'nen Lebens Thut nimmer man Verzicht:

Halt' an, o Karawanenführer! Der Weg hat Grenzen nicht;

Wie hundert Feuermeere glühet Hier jeder Tropfen Thau's:

O Jammer! Dies verworr'ne Räthsel Bringt kein Verstand heraus.

Nicht viele Freude schafft das Leben, Wenn's uns am Freund gebricht:

Gebricht's am Freund uns, schafft das Leben Uns viele Freude nicht.

Des Zechens Art und Weise lerne, O Herz, vom Vogte du:

Berauscht ist er; allein ihm muthet Kein Sterblicher es zu.

Enthülle keinem Nebenbuhler Dein Herz; – selbst Kerzen nicht:

Weil's jenen Schelmen, den geköpften, Am Zungenband gebricht.

Der, den als Meister du erkennest, – Wenn du es recht besieh'st –

Besitzt zwar, was man Kunst mag nennen, Doch keinen Vers, der fliesst.

Die Harfe mit gekrümmtem Rücken Lädt zum Genuss dich ein:

Der Rath, den Greise dir ertheilen, Wird dir nicht schädlich sein.

Dass einst das Schicksal durch die Winde Den Schatz Kărūn's geholt,

Das, Freunde, sagt der Rosenknospe: Sie birgt dann nicht ihr Gold.

Kein Mensch hat einen Knecht hienieden, Der mit Hafis sich misst:

Kein Mensch hienieden einen König, Der dir vergleichbar ist.