German poem
Mein Herz erschrack und mir, dem Armen
by Hafis (1326–1389)
Mein Herz erschrack und mir, dem Armen, Ward bis zur Stunde nicht bekannt
Was jenem widerspänst'gen Wilde So plötzlich in den Weg gerannt?
Besorgt für meinen eig'nen Glauben, Erbeb' ich, gleich dem Weidenblatt:
Ein Ketzer hält mein Herz gefangen, Der bogengleiche Brauen hat.
Ich nähre immer den Gedanken, Ich sei ein Meer; doch weit gefehlt!
Was spukt im Kopfe dieses Tropfens, Der nur Unmögliches sich wählt?
Ich preise jene kühne Wimper, Die alles Heil zu Grabe trägt
Und der auf ihres Dolches Spitze Das Lebenswasser Wellen schlägt
Blut träufelt wohl an tausend Stellen Den Ärzten von des Ärmels Rand.
Wenn, um mein wundes Herz zu prüfen, Sie es befühlen mit der Hand.
Nur weinend geh' ich in die Schenke, Und stets mit tief gesenktem Haupt,
Weil ich mich vor den Thaten schäme, Die ich zu üben mir erlaubt.
Das Leben Chiser's ist entschwunden Sammt Alexander's Herrlichkeit:
Drum reize nied're Weltlust nimmer Dich armen Mann zu eitlem Streit!
Ein Diener bist du, Freund; beklage Dich über deine Freunde nicht;
Das Jammern über Viel und Wenig Verletzt der Liebe heil'ge Pflicht.
Hafis! An jenen Gürtel reichet Nicht eines jeden Bettlers Hand:
Drum greife du nach einem Schatze, Viel reicher als Kărūn ihn fand.
More by Hafis
- Mach', o Wind, was mir begegnet, heimlich Ihm bekannt
- Mache dir die Zeit zu Nutze
- Macht mich auch des Herzens Feuer
- Mancher Tag ist schon verflossen
- Mein Herz ist voll von Trauer, o holde Morgenluft!
- Mein Herz schlägt nur der Liebe Bahn
- Mein Leib ruht keinen Augenblick
- Mein Mond verliess die Stadt in dieser Woche