German poem
Ohne deiner Wangen Sonne
by Hafis (1326–1389)
Ohne deiner Wangen Sonne Blieb mein Tag beraubt des Licht's
Und mir blieb vom ganzen Leben Nur die längste Nacht, sonst nichts.
Als ich Lebewohl dir sagte, Weinte Ich, ach, gar so sehr,
Und, entfernt von deiner Wange, Blieb mein Aug' vom Lichte leer.
Schnell vorbei an meinem Auge Zog dein Traumbild und es sprach:
»Schade, ach, dass dieser Winkel Unbebauet blieb und brach!«
Stets den Tod von meinem Haupte Scheuchte der Verein mit dir;
Doch durch deine Trennung blieb er Nimmermehr entfernt von mir.
Nahe rückt jetzt schon die Stunde, Wo der Nebenbuhler spricht:
»Fern von dir blieb der getrennte Arme Mann am Leben nicht.«
Wenn der Freund zu mir sich mühet, Ist's von nun an fruchtlos nur,
Denn mir blieb im wunden Leibe Nicht die kleinste Lebensspur.
Wenn, getrennt von dir, mein Auge Ohne Wasser blieb, wohlan!
Mag es Herzensblut vergiessen, Blieb ihm doch nichts And'res dann.
Die Geduld nur heilt die Leiden, Die mir deine Trennung schafft;
Doch wie kann Geduld man üben, Blieb' dazu uns keine Kraft?
Gram nur kennt Hafis und Thränen, Wird zum Lachen nie bewegt:
Blieb doch keine Lust zu Festen Dem, der Trauerkleider trägt.