German poem
Schön ist eine Rose nimmer
by Hafis (1326–1389)
Schön ist eine Rose nimmer Ohne Freundeswangen;
Schön ist nimmer auch der Frühling, Wenn nicht Becher klangen;
Schön ist keine grüne Wiese, Keine Luft in Hainen,
Wenn nicht Liebchen dort mit Wangen, Tulpen gleich, erscheinen;
Schön sind rosengleiche Leiber, Lippen, zuckersüsse,
Doch nur wenn sie das Umarmen Dulden und die Küsse;
Schön sind tanzende Zipressen, Und verzückte Rosen,
Doch nur wenn auf ihnen Sprosser Tausendstimmig kosen;
Schön ist nimmer ein Gemälde Vom Verstand gemalet,
Nur das Bild des Seelenfreundes Ist's, was herrlich strahlet;
Schön zwar ist die Flur, die Rose Und der Saft der Reben:
Aber schön sind sie wohl nimmer, Weilt kein Freund daneben.
Da, Hafis, der Seele Münze Keinen Werth errungen,
Ist's nicht schön sie zu benützen, Gilt es Huldigungen.
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