German poem
Wo, Ostwind, ist der Ruheplatz
by Hafis (1326–1389)
Wo, Ostwind, ist der Ruheplatz, Den sich der Freund erwählt,
Wo ist der Wohnort jenes Mond's, Der Liebende entseelt?
Schwarz ist die Nacht; das sel'ge Thal' Zeigt sich dem Blicke dort;
Wo ist das Feuer Sinaï's, Wo der verheiss'ne Ort?
Die Spuren der Zerstörung trägt Wer auf der Welt erschien:
Wo weilt der Nüchterne? O fragt In Schenken nur um ihn!
Wer gut auf Zeichen sich versteht, Ist ein willkomm'ner Mann:
Viel Zartes gibt's: wo ist der Freund Dem man's vertrauen kann?
Wohl jedem meiner Härchen gibst Du tausendfach zu thun:
Ich und der müssig Tadelnde, Wo sind wir Beide nun?
Die Weisheit ras't; man lasse sie Die Moschuskette schau'n;
Im stillen Winkel weilt das Herz: Wo sind des Holden Brau'n?
Bereit sind Sänger, Rosen, Wein; Doch fehlt der Freund; drum scheint
Die Freude nicht bereit zu sein: Wo aber ist der Freund?
Des Scheïches Zellen-Einsamkeit Presst mir nur Unmuth aus:
Wo ist der Freund, das Christenkind, Und wo des Rausches Haus?
Hafis, der Herbstwind des Geschick's Vorstimme ja dich nicht!
Wo blüht – dies überlege dir – Die Rose die nicht sticht?