German poem
Bescheidenheit
by Hanns von Gumppenberg (1866–1928)
Es steht eine Lind’ auf grünem Rain, Da fliegen hundert Vögelein Wohl aus und ein: Die wollen nichts als singen. Sie singen, wenn der Tag erwacht, Sie singen in der finster’n Nacht; Ich hört’ es lustig klingen, Ja klingen!
Und unter der Lind’ auf grünem Rain, Da saß ein blutjung’s Mädel fein So ganz allein: Die wollte nichts als weinen. Ach, Vöglein hat wohl seinen Schatz – Doch auf des Kirchhofs grünstem Platz Begrub man heut’ den meinen, Ja meinen!
Und von der Lind’ auf grünem Rain Zum Kirchhof ging das Mädel fein Im Abendschein: Sie wollte nichts als sterben. Sie legte sich ins grüne Gras, Bis sie vom Leben ganz genas. So geht das Glück in Scherben, Ja Scherben!
nach August Becker