German poem
Der Mustersaal
by Hanns von Gumppenberg (1866–1928)
Kluges Klappetappen tippt, klippt und wippt Durch wüst getonnte Kahlgewölbe. Träufeln leise, trotzerlöst Gekröpfte Kugelköpfchen? Busig blähn sich verblasene Beutelbälle, Schleuderquellen umquirlen Das spitzige Zipfelzapfengezause – Tausendfinger betupfen Die zuckenden Zackenhallen! Schlanke Birnekegel, knappe Apfelknorpel Triefen traumselig In die Tröpfeltröge. Zu zähem Sudseim Zersehnt sich der Stockestein! Knaufknoten recken zu Ränderbäuchen Die lingernden Leckezungen! Strahlzerrissen sprühen Spellende Spritzespitzen In klaffendes Kuppeltraubengeträne. Zopfzierzinnen Rieseln, rinnen und spinnen. Formflausen flattern hinter dem Fallball – Spielwillig schlingeverschlungen Schlampt und rollt der Rohteig In schwillendem Raserausch, Hochwärts säulenfrierend Zum riesigen Fransenfriesedach! Winklig stülpestopfen Die keulgekerbten, Raspelgerippten, Splitterumspießten Schäumedolden und Mähegarben! Die Dorredistelstrahlen, Die krustigen Gräteborsten Und Sprießespane Vergürtelgittern Mit Kerberiemen und Ätzegerten Das hart umhakte, Schlitzdurchfächerte Sprühsprungspreizegerüst! Zerfetzte Bastebündel Lockern des Zickzackgetakels Zerschrammte Starrstromstrünke! Die Schönheit schafft – Der Allgeist schwebt durch den Saal!
nach Paul Scheerbart’s „Paradies“