German poem
Die entscheidende Schlittenpartie
by Hanns von Gumppenberg (1866–1928)
Aus „Zwei Menschen“
Zwischen zwei Rappen jappjachtert ein Schimmel! Getümmel, Gebimmel, Verschwimmelgewimmel .. Ein Weib und ein Lümmel Hetzen dahin zwischen Erd’ und Himmel! Das Weib schwingt die Peitsche, der Lümmel die Zügel, Jetzt reckt er sein Kinn über Tal und Hügel:
„Sarah! seit meiner Jugend Gewitter Rast’ ich noch nie so im Glitzergeschlitter! Aber noch herrlicher raste ich gestern, Als ich im Sturm deinen Namen schrie, Weib, Meinen Orkangott hervorzulästern, Mit ihm zu ringen Knieschneib’ an Kniescheib’, Daß du nun frei, Daß wir zwei In einem Schrei Zwei sind, aber auch einerlei! Schleif mich, Zyklongott, rund um den Erdenball, Sei der nun mulmig oder rein – Ob auf die Nas’ ich oder verkehrt fall’: Hingeschmissen will ich sein! Sage mir, du! jetzt muß ich es wissen – Bist auch du so hingeschmissen? Schreist du, Weib, vor allen Damen Ebenso rasend auch meinen Namen? Kennst du den Wahnsinn dieser Gottähnlichkeit??“ – Das Weib umklaftert ihn purzelbereit:
„Nenn’ es nicht Wahnsinn, nenn’s lieber Ahnsinn, Nenn’s nicht Profansinn, nenn’s Nahedransinn! Isidor, schau’ – in den furchtbaren Wochen Hast alle Knochen Du mir schon zerbrochen .. Doch ob mir auch graust: Ich will, muß, kann, Willmuß, mußwill, Kannwillmuß, willmußkann Fliegen mit dir, o Mann! Ja, Isidor, rase! Reck’ deine Nase! Laß brechen, laß biegen, Laß dich, laß mich, Laß michdich, dichmich fliegen!!“
Schwupp! da saust In den Graben das Paar, das durchtobte.. Zwei Menschen empfehlen sich als Verlobte.
nach Richard Dehmel