German poem
Letztes Schlachtfeld der Vandalen
by Hanns von Gumppenberg (1866–1928)
Erspäht ihr durch die Nacht Karthago’s Mondenglanz? Dort triumphiert die Pracht Der Griechen von Byzanz. O stolze Stadt des Ruhms, Daß wir dich lassen mußten, Stern des Vandalenthums, Perlen der Wüstenpußten! O Schmerz, laß’ heut’ den Pfeil Auf schwarzem Bogen rosten, Daß nicht mit Wehgeheul Wir seinen Giftdorn kosten!
Hoch stand auf hohem Thurm Der König Geiserich Und blitzte durch den Sturm – Doch all’ sein Blitz erblich. Nur Leichen schwemmt die Fluth, Wrackvoll sind alle Riffe, Das Meer ist roth von Blut – O ihr Vandalenschiffe!
Auf, König Gelimer, Jetzt schmettr’ uns in die Schlacht – Du flackerst vor uns her Wie Fackelbrand zur Nacht! Wir aber thun dir’s gleich An Flammenmuth und Wundern – Es soll dein Königreich Noch lange fortjahrhundern!
Schon saust der Feinde Schaar Empor vom blut’gen Meer – Zerstich den Belisar, O König Gelimer! Ob auch der Göttersinn In ew’gem Tod sich büßte: Denk’ du an Glyzerin,*) Den Heldenstaub der Wüste! Wirf ihn, den Belisar, Und tritt ihm auf die Zähne – Es ströme tausend Jahr’ Des Griechenweibes Thräne!
) Oder hieß er Mycerin, jener hochgesinnte Egypterkönig? Ich weiß es nicht mehr genau...
nach Hermann von Lingg