German poem
Die bestraffte Näscherey
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Wohl dem/ der nicht vonnöthen hat Gesunde Kost zu nehmen ein/ Dem an der herben Pillen statt Gelinde Zucker-Körner seyn/ Dem der beliebte Reben-Safft Vor süssen Julep giebet Krafft.
Es schmeckte nächst Clorellens Mund Aus ohngefähr geschöpffter Lust/ Was krancke Leute macht gesund. Wie schlecht bekam ihr diese Kost. Was andern Krafft und Stärcke bracht/ Das hatte sie bald schwach gemacht.
Doch geht es dir nicht so allein/ Clorelle/ meine süsse Zier: Ich muß auch so gestraffet seyn/ Und leide gleiche Pein mit dir: Dein Blick/ der andre laben kan/ Hat meinem Hertzen weh gethan.
Der süsse Vorschmack deiner Gunst Erreget mir den kalten Brand; Hier hilfft mir keines Arztes Kunst/ Mein Wohlseyn steht in deiner Hand/ Eh ich kan deinen Zucker-Mund Beküssen/ werd ich nicht gesund.